Weihnachten im Weltall

So, ich habe jetzt vor, ein wenig Weihnachtsstimmung in hier meinem Blog zu verbreiten. Und da passt doch eine Weihnachtsgeschichte über den Weltraum hier sehr gut rein. Und “zufälligerweise“ bin ich auf diese tolle Geschichte gestoßen:

Weihnachten im Weltall

eingesandt von Sybille Mertens

„Wir empfangen sehr sonderbare Signale von diesem Planeten, Sir“, meldete der Beobachtungsoffizier. „Er scheint von intelligenten Lebewesen bewohnt zu sein. Aber das ist unmöglich, wenn unsere Messungen stimmen.“
„Die stimmen immer, wie Sie wissen“, entgegnete Commander Will Kirkshatt knapp. „Bewohnt, wie? Mmmh!“
„Und Signale?“ fuhr er nach kurzem Grübeln fort. Commander Will Kirkshatt wandte sich stirnrunzelnd an seinen Adjutanten Mc Bess. „Lassen Sie sofort Speck auf die Brücke kommen.“
„Bin schon da, Sir – Sir“, erklang triefend neben ihm die Stimme des schlappohrigen, fetten Lavianers.
Commander Kirkshatt musterte den aufgedunsenen Fleischklops und fragte sich zum tausendsten Male, warum man den gefräßigsten, wenn nicht gar einfältigsten Burschen der ganzen Sternenflotte ausgerechnet ihm als Letzten Offizier zugeordnet hatte.
Kirkshatt unterdrückte das Würgen, das ihn wie immer beim Anblick von Speck überkam.
„Was meinen Sie, Speck?“ Kirkshatt hüstelte, wobei er sich ein Schnupftuch vor die Nase preßte, um die Schweißausdünstungen des Außerirdischen nicht direkt aufnehmen zu müssen.
Der schlappohrige Lavianer hatte unterdes die empfangenen Meßdaten abgerufen und analysiert. „So etwas, Sir, ist mir auch noch nicht begegnet – begegnet“, meinte er schließlich, wobei er seine ohnehin winzigen Schweinsaugen noch enger zusammenkniff, soweit das überhaupt möglich war.
Geht dieses endlose Gelaber schon wieder los, dachte Kirkshatt, bevor er sich daran erinnerte, daß der Lavianer ja Gedanken lesen konnte.
Der hatte sie bereits gelesen. „Ich muß doch schon sehr bitten, wenn ich darf, Sir – Sir“, tadelte der Letzte fette Offizier ihn prompt.
„Nichts für ungut, Speck“, beschwichtigte Kirkshatt ihn. „Also?“
Speck wischte sich den Schweiß von seinem fetttriefenden Gesicht und schüttelte seinen massigen Schädel so heftig, daß seine Schlappohren flogen.
Einfach widerlich, wollte Commander Kirkshatt gedacht haben, besann sich diesmal aber noch rechtzeitig.
Speck räusperte sich, was so etwa einem Erstickungsanfall gleichkam. „Commander“, quoll es dann über seine wulstigen Lippen, „auf Heiw I herrschen nord- wie südpolare Verhältnisse – Verhältnisse. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 30 Grad minus – minus. Der Planet ist völlig vereist und von einer meterdicken Schneedecke zugedeckt – zugedeckt.“
Kirkshatt hatte Mühe, sich zu beherrschen. „Und weiter?“ fragte er.
„Die Vegetation an der Meßstelle besteht aus Heide und Tannen – Tannen“, fuhr Speck fort.
„Das weiß ich ja alles, aber ich weiß nicht, warum es so ist, wie es ist“, unterbrach der Commander des berühmten Raumschiffes Entenfang seinen Letzten Offizier. „Und was bedeuten diese Signale? Falls sie etwas zu bedeuten haben“, fügte er vorsichtshalber hinzu. „Konnten Sie sie überhaupt entziffern, Speck?“
Herablassend senkte sein Letzter Offizier daraufhin sein fettes linkes Lid auf unnachahmliche Art. „Sir“, erwiderte Speck. „Wir Lavianer können alles entziffern – entziffern.“
„Na schön“, meinte Kirkshatt ungehalten. „Also, was bedeutet das?“
Speck spitzte die Lippen, soweit man von Spitzen sprechen konnte. „LAL – LU – JEHA – A – JU – LEL – LAH – LAH“, buchstabierte er. „Aber was das bedeutet, weiß ich bedauerlicherweise nicht – nicht.“
„Interessant“, staunte Kirkshatt. „Vergessen wir, daß Sie die Bedeutung nicht wissen. Aber wiederholen Sie doch noch mal freundlicherweise, was Sie entziffert haben, Speck.“
Der wölbte wiederum die Lippen. „LAL – LU – JEHA – A – JU – LEL – LAH – LAH“, wiederholte er. „Sagt Ihnen das etwas, Sir – Sir?“ erkundigte er sich.
„Irgendwie kommt mir das bekannt vor“, sagte Kirkshatt ahnungsvoll sinnend. „Ich habe das schon mal irgendwo gehört. Allerdings – aber lassen wir das.“
„Dann, Sir – Sir“, seiberte Speck, „schlage ich vor, wir beamen einen Erkundungstrupp nach Heiw hinunter – hinunter.“
Kirkshatt entgegnete kurz: „Auf die Idee bin ich auch schon gekommen, Speck. Ich leite den Trupp persönlich. Aber Sie bleiben diesmal an Bord. Sie wissen wohl, warum!“
Der Letzte Offizier des Raumschiffes Entenfang wischte sich schuldbewußt den nächsten Schweißstrom vom Gesicht und nickte stumm. Bei der Landung auf Nerost I, im Sternbild des Hasen nämlich, waren die Bewohner bei seinem Anblick fluchtartig davon gehoppelt.
Minuten später stand Commander Kirkshatt frisch gebeamt in intergalaktischer Nordsüdpolarausrüstung mit drei Leuten seines Trupps auf einem gewaltigen Gletscher und musterte erstaunt, das Bild, das sich ihm zu Füßen bot.
Eine richtige kleine Stadt mit Häusern und Hütten aus Eis und Schnee – Iglus nicht ganz unähnlich – war dort errichtet. Dampf stieg aus den Schornsteinen.
„Sir“, meldete sich vetad, der lebende Datenfälscher, zu Worte, „nach meinen Berechnungen…“
„Ho-Ho!“ unterbrach ihn eine dröhnende außerirdische Stimme. „Ha-Ha!“
Und ehe der verblüffte Commander Kirkshatt, vetad und die zwei anderen Leute seines Trupps zu den Waffen greifen konnten, bimmelte es hinter ihnen heftig.
Kirkshatt drehte sich um und staunte. Der erste Bewohner von Heiw I, dem er begegnete, wirkte überhaupt nicht feindselig, ja, nicht einmal fremd oder gar außerirdisch.
Ganz im Gegenteil.
Gestalt, Gesicht und Kleidung des Heiwers – wenn es denn wirklich einer war – kamen ihm irgendwie sehr vertraut vor. Mehr noch: Etwas regte sich unbewußt wissend in ihm, wie vorhin, als Speck, der Letzte Offizier der Entenfang, ihm die Signale entziffert hatte.
Er mußte es wagen. „LAH – LU?“ versuchte Kirkshatt es ganz langsam.
„LAH-LU?“ wiederholte daraufhin stirnrunzelnd der weißbärtige, mit einem langen roten Mantel und schwarzen Stiefeln bekleidete Planetenbewohner und überlegte. Dabei bimmelte er wieder mit einer Glocke.
„JU – LEL?“ versuchte Kirkshatt es diesmal.
Der Weißbärtige mit den wallenden Locken bimmelte noch heftiger, schüttelte jedoch neuerlich den Kopf.
„Ju – LAH?“ Kirkshatt ging jetzt hoffnungsvoll aufs Ganze.
„JU – LAH?“ Ein breites Lächeln überzog das Gesicht des Bewohners von Heiw I. Er bimmelte ohrenbetäubend mit der Glocke, während er schrie: „JU – LAH? LU – JAH! LU – JAH!“
„HO-HO!“ brüllte Kirkshatt so laut, daß vetad ihn entsetzt anschaute.
„HO-HO!“ brüllte darauf der Weißbärtige mit dem lockigen Haar und bimmelte, daß sich unter dem Getöse mächtige Eiszapfen vom Gletscherrand lösten. Und dann schrie er mit Baßstimme: „HAL – LE – LU – JAH! HAL – LE – LU – JAH!“
„Ist alles in Ordnung, Commander, Sir?“ fragte vetad verstört.
„HALLELUJAH! JA! Alles in Ordnung, vetad!“ sprudelte es über Kirkshatts Lippen. „Wissen Sie, wo wir uns hier befinden?“
„Nein, Sir“, erwiderte der berühmteste Datenfälscher der Sternenflotte und Vorletzte Offizier der Entenfang eingeschüchtert.
„Heiw ist“ – Kirkshatt strahlte über das ganze Gesicht – der Heimatplanet des Weihnachtsmannes.“
„HALLELUJAH! HO-HO!“ brüllte der Weißbärtige daraufhin und bimmelte so stark, daß der Gletscher unter ihnen zu kalben begann. „Er hat es! Aber nun, mein Bester, laß uns mal endlich normal miteinander reden. Okay?“
Kirkshatt nickte vor Seligkeit stumm.
„Hast du ’nen anständigen Schluck dabei?“
„Ich laß uns was runterbeamen“, kam es über Kirkshatts Lippen. „vetad“, sagte der dann, „beamen Sie mit dem Rest der Truppe zurück. Ich komme später nach.“
Und so lief die Geschichte auch ab.
Bliebe der abschließende Eintrag im Logbuch der Entenfang nachzutragen:
„Mit dem Weihnachtsmann die ganze Nacht durchgesoffen, gesungen, Schlittenfahrten gemacht und Geschenke ausgepackt. Ich glaube, die Föderation hat einen Freund für immer gewonnen.“
PS: „Ich schmeiße Speck, den letzten Offizier, endgültig von Bord. Wegen Unfähigkeit. Das empfangene Signal lautete eindeutig HALLELUJAH!“
PPS: „Letzter Befehl widerrufen. Speck bleibt im Dienst. Schließlich ist es ja Weihnachten!“

Quelle: http://weihnachtsstadt.de/Geschichten/Geschichten_lustig/Weihnachten_im_Weltall.htm

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