Wird in 160 ein Asteroid auf der Erde einschlagen?

Gestern habe ich über den Asteroid 1999 RQ36 geschrieben, der unbedingt einen neuen Namen braucht. In diesem Artikel habe ich auch gesagt, dass er der Erde in 160 Jahren sehr nahe kommen wird. Aber wird es vielleicht sogar zu einer Kollision kommen? Müssen wir uns sorgen über unsere Ur-Enkel machen?

Vielleicht. Eine Studie von Andrea Milani berechnete eine Serie von möglichen Zusammenstößen mit der Erde im Zeitraum von 2169 bis 2199. Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages hängt von den bisher nur unzureichend bekannten physikalischen Eigenschaften des Asteroiden ab. Aus diesem Grund fliegt im Jahre 2020 eine Raumsonde zu 1999 RQ36, um eine Kollision endgültig auszuschließen. Sollte es jedoch tatsächlich zu einer Kollision kommen, hätte es fatale Folgen für das Leben hier auf der Erde. Der Brocken ist über einen halben Kilometer groß. Würde er hier auf der Erde einschlagen, würden regionale Zerstörungen entstehen. Aber wenn man sich mit diesem Asteroiden beschäftigt, sieht das alles halb so wild aus:

Es gibt zwei Methoden um die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages anzugeben. Einmal die Turiner-Skala, und einmal die Palermo-Skala. Besser zu verstehen ist die Turiner-Skala. In dieser wird in einer Skala von 1-10 die Wahrscheinlichkeit angegeben. 0 bedeutet keine Gefahr, und 10 bedeutet eine sichere Kollision. Desto höcher die Zahl, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er mit der Erde kollidiert.

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Quelle: NASA

Turiner-Skala:

0= Die Kollisionswahrscheinlichkeit ist effektiv null oder das Objekt ist so klein, dass nicht mit Schäden zu rechnen ist.

1= Eine routinemäßige Neuentdeckung, für die ein Vorbeiflug vorhergesagt wird, der keine ungewöhnliche Gefahr darstellt. Die aktuellen Berechnungen ergeben, dass eine Kollision extrem unwahrscheinlich ist. Weitere Beobachtungen werden höchstwahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen.

2= Eine – bei ausgedehnten Suchprogrammen routinemaßige – Neuentdeckung eines Objekts mit einem etwas engeren, aber nicht ungewöhnlichen Vorbeiflug an der Erde. Während die Aufmerksamkeit der Astronomen gefordert ist, besteht kein Anlass zu öffentlicher Aufmerksamkeit oder gar Sorge, da eine tatsächliche Kollision sehr unwahrscheinlich ist. Weitere Beobachtungen werden höchstwahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen.

3= Eine engere Annäherung, welche die Aufmerksamkeit der Astronomen erfordert. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Wahrscheinlichkeit von über einem Prozent für die Kollision, welche lokale Zerstörung verursachen würde. Weitere Beobachtungen werden sehr wahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen. Falls die Begegnung weniger als ein Jahrzehnt entfernt ist, verdient sie Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und von offizieller Seite.

4= Eine engere Annäherung, welche die Aufmerksamkeit der Astronomen erfordert. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Wahrscheinlichkeit von über einem Prozent für die Kollision, welche regionale Zerstörung verursachen würde. Weitere Beobachtungen werden sehr wahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen. Falls die Begegnung weniger als ein Jahrzehnt entfernt ist, verdient sie Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und von offizieller Seite.

5= Eine engere Annäherung, die eine ernste, aber noch unsichere Bedrohung regionaler Verwüstung darstellt. Astronomen müssen dringend ermitteln, ob die Kollision stattfinden wird oder nicht. Falls die Begegnung weniger als ein Jahrzehnt entfernt ist, kann staatliche Notfallplanung erforderlich sein.

6= Eine enge Begegnung mit einem großen Objekt, die eine ernste, aber noch unsichere Bedrohung globaler Verwüstung darstellt. Astronomen müssen dringend ermitteln, ob die Kollision eintreten wird oder nicht. Falls die Begegnung weniger als drei Jahrzehnte entfernt ist, kann staatliche Notfallplanung erforderlich sein.

7= Eine sehr enge Begegnung mit einem großen Objekt, die eine in diesem Jahrhundert beispiellose Bedrohung darstellt. Das Eintreten ist unsicher, aber die Verwüstung wäre global. Internationale Notfallplanung ist geboten, vor allem um schnell und schlüssig zu bestimmen, ob eine Kollision eintreten wird.

8= Eine sicher eintretende Kollision, die bei einem Einschlag an Land lokale Zerstörung verursacht, bei einem Einschlag im nahen Küstenbereich einen Tsunami. Solche Ereignisse finden durchschnittlich alle 50 bis 1000 Jahre statt.

9= Eine sicher eintretende Kollision, die bei einem Einschlag an Land eine regional beispiellose Zerstörung verursachen kann, bei einem Einschlag im Ozean einen großen Tsunami. Solche Ereignisse finden durchschnittlich alle 10.000 bis 100.000 Jahre statt.

10= Eine sicher eintretende Kollision, die eine globale Klimakatastrophe verursachen kann und die Zivilisation, wie wir sie kennen, bedroht, egal ob Landfläche oder Ozean getroffen wird. Solche Ereignisse finden durchschnittlich seltener als alle 100.000 Jahre statt.

Der Asteroid Apophis war auf dieser Skala bisher der Spitzenreiter. Im Jahre 2004, kurz nach seiner Entdeckung, erreichte er einen T-Wert von 4 auf der Skala. Er wurde aber kurz danach wieder herabgestuft. Er ist jetzt keine Gefahr mehr für die Erde.

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Quelle: NASA

Ein bisschen schwieriger zu verstehen ist die Palermo-Skala. Die Palermo-Skala bewertet das Risiko eines Einschlags und der Wert hängt von der Kollisionswahrscheinlichkeit und der erwarteten Einschlagsenergie ab. 1999 RQ36 hat auf der Palermo-Skala einen P-Wert von -1,52. Wie die Palermo-Skala die Asteroiden bewertet, erklärt Florian Freistetter:

,,Ein Wert von 0 entspricht dem “Hintergrundrisiko” (d.h. dem durchschnittlichen Einschlagsrisiko eines Objekts vergleichbarer Größe). Ein positiver Wert gibt also ein Risiko an, dass größer ist als das Hintergrundrisiko (die Skala läuft logarithmisch. P=1 entspricht also dem 10fachen Risiko, P=2 dem 100fachen, usw). Ein negativer Wert zeigt ein geringeres Risiko an (P=-2 entspricht einem Risiko von 1% des Hintergrundwertes). Im Allgemeinen werden alle Asteroiden mit Werten größer als P=-2 genauer beobachtet.“

Wie man sehen kann besteht noch kein Grund zur Sorge. 1999 RQ36 wird jetzt erst einmal genauer beobachtet. Denn je mehr Beobachtungsdaten vorhanden sind, desto besser lässt sich seine Bahn bestimmen. Und wenn man seine Bahn genauer kennt, kann man auch eine Kollision ausschießen. Im Allgemeinen ist es meistens immer so, dass wenn genug Beobachtungsmaterial vorhanden ist, eine Kollision dann immer ausgeschlossen wird.

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von Stefan Joußen Veröffentlicht in Asteroiden

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